Bin auf eine interessante Seite gestoßen die sich mit Kontextuellen Lesarten des Gleichnisses von den Talenten beschäftigt.
"Nach klassischem Verständnis ermahnt die Parabel von den "Talenten" Christen dazu, gottgegebene Gaben zu nutzen und nicht zu vergeuden. Die Befreiungstheologie liest den Text vollkommen anders - als Widerstandstext.[...]
Der US-amerikanische Franziskanerpater R. Rohr schreibt: "Ich habe diese Geschichte nie leiden können, denn ich bin in Amerika in eine katholische Schule gegangen und am ersten Schultag pflegten uns die guten Schwestern erst einmal diesen Text vorzulesen. Und dann hat der Priester eine Predigt darüber gehalten und uns ermahnt, gute und fleißige Schüler zu sein und Einser und Zweier zu schreiben und keine Dreier. Wir sollten so sein wie der erste und der zweite Mann in der Geschichte, aber bloß nicht wie der dritte Mann. Deswegen hat mir diese Geschichte nie gefallen."
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Die klassische Auslegung birgt auch auf der Ebene der Anwendung für die heutige Zeit - im religionspädagogischen Kontext, aber auch jenseits davon - ihre Tücken: Was heißt "Talente nutzen" bzw. "liegen lassen" - die Hausaufgaben (nicht) machen, eine Begabung (nicht) entfalten, eine Verantwortung (nicht) übernehmen? Wer entscheidet, ob jemand anderer sein Leben "vertut"? Und: Wann ist Stichtag - Schulabschluss, Lebensende oder Jüngstes Gericht? Ferner stellt sich die Frage, wie mit Begabung überhaupt umzugehen ist. Wenn man der klassischen Deutung der Parabel folgt, ist jeder für sich selbst verantwortlich in der Entwicklung seiner Gaben und Fähigkeiten. Im pädagogischen Kontext gehen wir zwar auch davon aus, dass Selbst-Bildung und Eigeninitiative zentral sind, gleichzeitig lehrt die Erfahrung aber, dass Gaben und Begabungen von außen her, durch geeignete Personen gefördert und entwickelt werden müssen. Und ganz problematisch wird es, wenn man konsequent im Bild bleibt: jemand, der seine Begabungen nicht nutzt, bekommt sie entzogen...
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Ein anderer sozialer und kultureller Kontext bringt eine völlig andere Art hervor, die Bibeltexte zu verstehen. In Lateinamerika, einem Kontinent größter sozialer Gegensätze, hat sich in den letzten vier Jahrzehnten die befreiungstheologische Bibelauslegung mit ihrer "Option für die Armen" etabliert. Dabei findet eine Wechselwirkung statt: Die Bibel inspiriert die Menschen in ihrem Ringen um die elementaren sozialen Grundrechte und diese Praxis lässt die Menschen die Bibel in neuem Licht lesen. Befreiungstheologische Auslegungen gelangen zunehmend nach Deutschland, so auch die Auslegung dieses Textes.[14] Rohr meint, dass wir mit ihr "endlich den wirklichen Sinn dieses Textes gefunden haben".[15] Die These: Lk 19,11-27 ist keine Parabel über einen Talente verleihenden Gott, sondern illustriert die Passion Jesu inmitten einer ungerechten und gewalttätigen Welt. Zorzin zufolge zeigt die Stelle, was Jesus vom System seiner Zeit denkt. Dieses spiegelt sich im Verhalten des Herrn, der sich politisch und wirtschaftlich zu etablieren sucht und dazu den Dienst von Untergebenen in Anspruch nimmt, die in der Lage sind, einen 1000%-igen Gewinn zu erwirtschaften. Die beiden Erfolgreichen erhalten die Herrschaft über Städte übertragen. Zorzin notiert: "Es geht darum zu investieren, zu riskieren und exorbitante Summen zu gewinnen. Die wirtschaftliche Effizienz bestimmt das politische Denken."[16]
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Der Dritte widersetzt sich dem System!
Den ganzen Text findet ihr hier!
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vor 5 Jahren
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