Aus "Effektives Bibelstudium" von Gordon D. Fee und Douglas Stuart:
...Gleichnisse sind jedoch keine Allegorien - auch dann nicht, wenn sie scheinbar allegorische Züge aufweisen.
...Statt dessen zielen Gleichnisgeschichten darauf, beim Zuhörer eine Reaktion hervorzurufen...
An einem Sonntagmorgen saß eine ungepflegt wirkende Familie völlig zerzaust am Rand einer Hauptstraße fest. Ganz offensichtlich steckten sie in Schwierigkeiten. Die Mutter saß mit ungekämmten Haaren, undordentlichen Kleidern und glasigem Blick auf einem ramponierten Koffer. Sie hielt ein übel riechendes, ärmlich gekleidetes, weinendes Baby auf dem Arm. Der Vater war unrasiert, in einen Overall gekleidet, und versuchte verzweifelt, zwei andere kleine Kinder im Zaum zu halten. Neben ihnen stand ein heruntergekommenes, altes Auto, das offensichtlich den Geist aufgegeben hatte.
Da kam ein Auto die Straße entlang. Es war der Bischof des Ortes, der sich auf dem Weg zur Kirche befand. Und obwohl der Vater dieser Familie wie ein Wilder winkte, konnte der Bischof seine Gemeinde doch nicht warten lassen. Also tat er, als sähe er sie nicht.
Bald kam ein anderer Wagen vorüber, und wieder schwenkte der Vater heftig die Arme. Doch der Präsident des örtlichen Wohltätigkeitsvereins hatte ohnehin Verspätung und wurde längst auf der bundesweiten Konferenz der Präsidenten nationaler Wohltätigkeitsvereine erwartet. Auch er tat, als sähe er sie nicht., und heftete seine Augen fest auf die vor ihm liegende Straße.
Im nächsten Auto saß ein Mann, der im Ort als ein eingefleischter Atheist bekannt war. Als er die Familie am Straßenrand winken sah, hielt er an. Nachdem er sich genauer nach ihrem Problem erkundigt hatte, ließ er sie in seinen Wagen einsteigen und brachte sie zu einem Motel. Dort bezahlte er ihnen eine Woche Aufenthalt, damit der Vater genügend Zeit hatte, sich eine Arbeit zu suchen. Er bezahlte ihm sogar einen Mietwagen für die Stellensuche, und gab der Frau Geld für Nahrungsmittel und neue Kleidung.
Einer der Autoren des vorliegendes Buchs hat das Gleichnis einmal so erzählt. Die entsetzten und verärgerten Reaktionen der Zuhörer machen deutlich, dass sie das Gleichnis zum ersten Mal wirklich "hörten".
...Doch nichts könnte für einen frommen Kirchgänger anstößiger sein, als das Handeln eines Atheisten zu loben. Und genau das ist die Lage, in der sich auch der Gesetzeslehrer bei Jesus befand.
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